Bauwerksdiagnostik mit zerstörungsfreien Prüfverfahren an Betonbauteilen
Technischer Leitfaden · Themenseite

Zerstörungsfreie Prüfung von Bauwerken: Verfahren, Anwendungen und Auswahlkriterien

Fundierte Kenntnisse über ein bestehendes Bauwerk erfordern einen integrierten Diagnoseansatz. Kein einzelnes Verfahren beschreibt Geometrie, Materialien und Erhaltungszustand vollständig: Erst die begründete Kombination verschiedener Methoden ermöglicht ein zuverlässiges Kenntnismodell.

„Es gibt kein grundsätzlich bestes Diagnoseverfahren. Es gibt das Verfahren, das zur benötigten Information am besten passt.“

Warum ein integrierter Ansatz für Bauwerksuntersuchungen?

Jedes Verfahren beantwortet eine bestimmte diagnostische Frage. Bestehende Bauwerke können vom ursprünglichen Entwurf abweichen: Unvollständige Unterlagen, nachträgliche Änderungen, Materialschäden oder neue Eingriffsanforderungen erfordern genaue Kenntnisse des tatsächlichen Bauwerkszustands.

Eine wirksame Untersuchungskampagne beginnt deshalb mit den zu beantwortenden Fragen:

  • Wo befinden sich die inneren Elemente?
  • Wie ist die Geometrie des Bauwerks?
  • Welche Eigenschaften haben die Materialien?
  • Gibt es Auffälligkeiten oder Diskontinuitäten?
  • Wie ist der Erhaltungszustand?

Bestehendes Bauwerk

Kenntnismodell

Integrierte Diagnoseverfahren

Geometrische Untersuchungen

Lage, Höhen und innere Geometrie der Elemente.

Materialuntersuchungen

Physikalische und mechanische Materialeigenschaften.

Volumetrische Untersuchungen

Rekonstruktion des Inneren eines Tragwerkselements.

Untersuchungen zur Schädigung

Auffälligkeiten, Diskontinuitäten und Erhaltungszustand.

Vom bestehenden Bauwerk zum Kenntnismodell: Geometrische, materialbezogene, volumetrische und schädigungsbezogene Untersuchungen schaffen gemeinsam eine zuverlässige Grundlage für fachliche Entscheidungen.

Wesentliche zerstörungsfreie Prüfverfahren

Jedes Verfahren beantwortet eine spezifische technische Frage. Für jede Methode sind das zentrale Untersuchungsziel und die geeigneten Materialien angegeben; die Einträge führen zu vertiefenden Leitfäden.

Georadaruntersuchung an einem Stahlbetonbauteil

Georadar (GPR)

Elektromagnetisches Verfahren zur Erfassung innerer Elemente, Geometrien und Auffälligkeiten mit hoher Produktivität auf großen Flächen.

Untersuchungsziel

Erfassung innerer Elemente, Geometrien und Auffälligkeiten.

Geeignete Materialien

StahlbetonFahrbahn- und BodenbelägeInfrastruktur
Betondeckungsmessgerät im Einsatz an einem Stahlbetonbauteil

Betondeckungsmessung

Gezielte elektromagnetische Untersuchung zur Ortung oberflächennaher Bewehrung und Abschätzung der Betondeckung.

Untersuchungsziel

Ortung der Bewehrung und Abschätzung der Betondeckung.

Geeignete Materialien

BetondeckungBewehrung
Mehr erfahren
Ultraschalluntersuchung an einer Betonstütze

Ultraschallprüfung

Analyse der Ausbreitung elastischer Wellen im Material zur Beurteilung der Homogenität und Erkennung innerer Auffälligkeiten.

Untersuchungsziel

Bewertung der Materialhomogenität und Erkennung von Auffälligkeiten.

Geeignete Materialien

BetonMauerwerkNatursteinmaterialien
3D-Ultraschalltomografie von Beton mit A1040 MIRA

Ultraschalltomografie

Fortgeschrittenes Verfahren, das Reflexionen von im Material erzeugten Ultraschallwellen analysiert, um das Bauteilinnere dreidimensional oder in Schnittbildern darzustellen.

Untersuchungsziel

Erkennung von Hohlräumen, Rissen, Ablösungen und inneren Auffälligkeiten mit 3D- oder Schnittdarstellung, auch bei nur einseitigem Zugang.

Geeignete Materialien

BetonStahlbetonMauerwerk
Rückprallmessung zur Abschätzung mechanischer Betoneigenschaften

SonReb-Verfahren

Kombiniertes Verfahren aus Rückprallkennwert und Ultraschallgeschwindigkeit zur indirekten Abschätzung der mechanischen Eigenschaften von Beton.

Untersuchungsziel

Indirekte Bewertung mechanischer Betoneigenschaften anhand experimenteller Korrelationen.

Geeignete Materialien

Beton
Infrarotthermografie in der Bauwerksdiagnostik

Thermografie

Analyse der oberflächlichen Temperaturverteilung eines Bauteils, geeignet für große Flächen und mit Drohnenvermessung kombinierbar.

Untersuchungsziel

Erkennung oberflächennaher Auffälligkeiten und Diskontinuitäten anhand der thermischen Reaktion.

Geeignete Materialien

BetonMauerwerkFassaden und Ausfachungen
Mehr erfahren
Digitale Radiografie eines Stahlbetonbauteils
Spezialverfahren · Überwiegend industrieller Einsatz

Bauwerks- und Industrieradiografie

Prüfung von Schweißnähten und Bauteilen; an Bauwerken lokale Vertiefungen in speziellen Fällen unter geeigneten Einsatzbedingungen.

Mehr erfahren

Analyse und Untersuchung von Brücken und Viadukten

Unterschiedliche Methoden zur Beantwortung sich ergänzender diagnostischer Fragen.

Brücken und Viadukte sind komplexe Infrastrukturbauwerke. Kenntnisse über den inneren Zustand ihrer Tragwerkselemente können unterschiedliche Diagnoseverfahren erfordern.

Die Verfahren sind nach der diagnostischen Frage, den Bauwerkseigenschaften und den Einsatzbedingungen auszuwählen.

In bestimmten Untersuchungsprogrammen kann die Kombination von Georadar, Ultraschalltomografie und digitaler Radiografie ergänzende Informationen über den inneren Aufbau von Tragwerkselementen liefern.

Diagnostische Untersuchungen an Brücken und Viadukten

Anwendungsfall

Ein konkretes Beispiel: der Viadukt Via Mario de Bernardi

2019 führte Novatest Engineering am Viadukt Via Mario de Bernardi im Bereich des Flughafens Fiumicino eine Demonstrationskampagne mit drei zerstörungsfreien Verfahren durch: Georadar, Ultraschalltomografie und digitale Radiografie.

Ziel war es, ausgewählte Konstruktionselemente des Viadukts zu untersuchen und die Möglichkeiten der verschiedenen Verfahren aufzuzeigen.

Der Wert des Ansatzes liegt darin, unterschiedliche und ergänzende Informationen zu gewinnen und jedes Verfahren entsprechend der spezifischen diagnostischen Frage auszuwählen.

Beispiel einer Untersuchungsstrategie

GPR

Ortung und Geometrie

Ultraschalltomografie

Analyse innerer Diskontinuitäten

Radiografie

Lokale Detailuntersuchung

Verknüpfung der Informationen

Das Schema zeigt eine mögliche Untersuchungsstrategie, keine verpflichtende Abfolge: Auswahl und Reihenfolge der Verfahren hängen von der diagnostischen Frage und dem Bauwerkszustand ab.

Eine Diagnosestrategie bedeutet nicht, wahllos mehr Verfahren einzusetzen.

Sie bedeutet, die für ein besseres Bauwerksverständnis erforderlichen Informationen auszuwählen, zu verknüpfen und gezielt zu vertiefen.

Dokumentierte Erfahrung

Erfahrungen an bestehender Infrastruktur

Am Viadukt Tronto IV an der SS 4 Salaria führte Novatest Engineering eine radiografische Untersuchungskampagne durch. Ziel war die Beobachtung von Hohlräumen, inneren Kiesnestern und des Erhaltungszustands der Bewehrung, mit besonderem Augenmerk auf Spannstahllitzen.

Die Kampagne umfasste 478 radiografische Aufnahmen.

Diagnostische Untersuchungen an Brücken und Viadukten entdecken

Vertiefen Sie Verfahren, Untersuchungsstrategien und Anwendungsfälle von Novatest Engineering an bestehender Infrastruktur.

Die Novatest-Methodik

Novatest führt nicht lediglich Prüfungen aus: Jede Untersuchungskampagne ist ein Beratungs- und Begleitprozess, von der Problemanalyse bis zu den Entscheidungen nach der Untersuchung.

01

Zuhören und Problemanalyse

Abstimmung mit dem Auftraggeber zur Definition der tatsächlich benötigten Information.

02

Beratung zur Diagnosestrategie

Begründete Auswahl geeigneter Verfahren statt bloßer Nutzung verfügbarer Geräte.

03

Datenerfassung

Felduntersuchung mit spezifischer Messtechnik.

04

Datenverarbeitung

Verarbeitung und Rekonstruktion der Datensätze.

05

Interpretation

Integrierte fachliche Auswertung der Ergebnisse.

06

Ergebnisaufbereitung und Entscheidungsunterstützung

Berichte, grafische Unterlagen und Begleitung weiterer Entscheidungen.

Die Novatest-Methodik entdecken

Verfahren integrieren: der Mehrwert einer kombinierten Auswertung

Die Verbindung von GPR, Ultraschalltomografie und Bewehrungskartierung ermöglicht die Erkennung von Einbauteilen, Diskontinuitäten und inneren Auffälligkeiten im Beton. Sie reduziert diagnostische Unsicherheit und stärkt fachliche Entscheidungen.

Darstellung des Inneren eines Betonbauwerks mit zerstörungsfreien Diagnoseverfahren
Die Verbindung von GPR, Ultraschalltomografie und Bewehrungskartierung ermöglicht die Erkennung von Einbauteilen, Diskontinuitäten und inneren Auffälligkeiten im Beton.

Häufige Fragen

Was bedeutet zerstörungsfreie Prüfung von Bauwerken?
Diese Untersuchungsverfahren liefern Informationen über das Innere und die Oberfläche eines Tragwerkselements, ohne dessen Unversehrtheit zu beeinträchtigen. Sie nutzen elektromagnetische oder elastische Wellen, ionisierende Strahlung oder die Analyse der Temperaturverteilung, um Daten für die fachliche Bewertung bereitzustellen.
Welches Verfahren eignet sich zur Untersuchung von Beton?
Die Auswahl richtet sich nach der benötigten Information. Für Lage und Geometrie von Bewehrung und Einbauteilen ist GPR in der Regel das produktivste Verfahren; Ultraschalltomografie untersucht innere Materialeigenschaften und Diskontinuitäten; Thermografie erfasst großflächige oberflächennahe Auffälligkeiten; Radiografie liefert direkte Detailinformationen zu bestimmten Merkmalen, sofern sie einsetzbar ist.
Was unterscheidet GPR von Ultraschall?
GPR arbeitet mit elektromagnetischen Wellen und eignet sich besonders zur produktiven Ortung metallischer Elemente und von Diskontinuitäten auf großen Flächen. Ultraschall nutzt elastische Wellen zur Materialcharakterisierung und tomografischen Rekonstruktion des Bauteilinneren. Beide Verfahren liefern unterschiedliche, häufig ergänzende Informationen.
Wann sollten mehrere Diagnoseverfahren kombiniert werden?
Wenn ein einzelnes Verfahren die gesuchte Information nicht eindeutig liefert oder die Interpretation durch Material, Geometrie oder Zugangsbedingungen unsicher ist. Die Verknüpfung reduziert diagnostische Unsicherheiten und stärkt die fachliche Entscheidungsgrundlage.
Ersetzen zerstörungsfreie Prüfungen herkömmliche Untersuchungen?
Nein. Sie erweitern und verbessern die Bauwerkskenntnis und helfen, invasive Untersuchungen zu begrenzen und gezielt an aussagekräftigen Stellen einzusetzen. Die Kombination zerstörungsfreier Verfahren mit direkten Prüfungen bleibt der zuverlässigste Ansatz.

Möchten Sie den tatsächlichen Zustand eines Bauwerks kennen?

Die Auswahl des Diagnoseverfahrens hängt von der technischen Fragestellung, dem Material und der benötigten Information ab. Novatest unterstützt Sie bei der Definition einer geeigneten Strategie.

Technische Neuigkeiten von Novatest

Erhalten Sie neue Leitfäden, Anwendungsfälle und Informationen zu Normen. Keine unaufgeforderten Werbenachrichten.

Wir verarbeiten Ihre Daten gemäß unserer Datenschutzerklärung. Sie können sich jederzeit abmelden.